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Trump Fans in Grönland?

  • Autorenbild: FactJack Redaktion
    FactJack Redaktion
  • 11. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Jan.

Ein virales Video zeigt junge Grönländer:innen, die sagen, sie würden Donald Trumps MAGA-Bewegung unterstützen und befürworten, dass die USA Grönland kaufen. Sie wollen weg von Dänemark. Ein Faktencheck.

Nick Sherley interviewte angebliche pro-Trump Grönländer:innen. (c) Screenshot, Canva, FactJack
Nick Sherley interviewte angebliche pro-Trump Grönländer:innen. (c) Screenshot, Canva, FactJack

In einem derzeit kursierenden Video sind mehrere junge Männer aus Grönland zu sehen, die rote MAGA-Kappen tragen und in einem Interview erklären, sie würden die politische Bewegung rund um Donald Trump unterstützen (MAGA steht für „Make America Great Again“). In dem Gespräch äußern sie zudem den Wunsch, Grönland solle von den USA gekauft werden, da sie sich von Dänemark lösen wollten. Der Interviewer ist zunächst unbekannt. Durch die Art der Verbreitung wird suggeriert, dass es sich um eine aktuelle Aufnahme handelt.

Die FactJack-Redaktion bewertet in diesem Faktencheck weder politische Forderungen zur Zukunft Grönlands noch deren mögliche völkerrechtliche oder geopolitische Konsequenzen. Gegenstand der Analyse ist ausschließlich das kursierende Video sowie dessen Entstehungskontext, zeitliche Einordnung und Darstellung.


Das Video

Entgegen der Annahmen ist das gezeigte Video NICHT AKTUELL. Gezeigte Szenen wurden erstmals im Jänner 2025 veröffentlicht.

Es handelt sich um einen Zusammenschnitt eines Interviews des freien Journalisten Nick Shirley (siehe “die Quelle”). Obwohl bereits im Originalbeitrag 2025 stark zusammengeschnittene Szenen, welche den Kontext verzerren, genutzt wurden, wird für den nun gezeigten Clip ausschließlich der proamerikanische Inhalt verwendet. Meistens werden der Name des Interviewers und das richtige Datum weggelassen, wahrscheinlich um Aktualität und Seriosität zu vermitteln.


Der Inhalt widerspricht in weiten Teilen gängigen Statements von Grönländer:innen und der grönländischen Regierung.



Ausschnitte wie dieser, aus einem Interview von Nick Shirley, werden durch Trump freundliche Accounts verbreitet.

Die Quelle

Aufgenommen wurde das Video von Nick Shirley, einem Content Creator, der sich als freier Journalist bezeichnet. Nick Shirley ist bekannt dafür, Teil der MAGA Bewegung zu sein und mit seinen Videos Themen zu behandeln, die dem aktuellen Kurs der Trump-Regierung nützlich sind. Immer wieder stehen Vorwürfe im Raum, dass er direkt aus der MAGA Bewegung finanziert wird. Sein Grönland Video entstand etwa zeitgleich mit einem Besuch von Donald Trump Jr. in Grönlands Hauptstadt Nuuk.

Später stellte sich heraus, dass bei diesem Besuch Geld und Verpflegung an sozial schwächere angeboten wurde, wenn diese die roten MAGA Kappen tragen und sich pro Trump äußern würden.


Im Zuge der FactJack Recherche konnten auch andere Videos gefunden werden, die Zeigen, wie Shirley die Szenen inszeniert und es sich um keine echte journalistische Meinungsumfrage handelt. 

Im Originalvideo von Shirley kommen jedenfalls noch kritische Stimmen zu Wort, etwa solche die bereits die Idee des Interviews kritisieren sowie den generellen Umgang mit Grönländerinnen, in späteren Versionen fehlen diese.



In diesem TikTok Video reagiert der grönländische Rapper Josef Tarrak weitaus weniger euphorisch auf Shirleys Frage nach einer Übernahme Grönlands durch die USA. Quelle: TikTok@dagensnyheterdn

Einordnung: Propaganda oder nicht?

Der Begriff „Propaganda“ beschreibt nicht zwingend falsche Inhalte, sondern Kommunikationsformen, die gezielt dazu geeignet sind, politische Deutungen zu fördern. Entscheidend ist dabei weniger die nachweisbare Absicht der Urheber als die Machart und Wirkung des Materials.

INFO: Wie geht FactJack bei der Propaganda Einstufung vor?

FactJack nutzt für die Bewertung der propagandistischen Eignung den klassischen Kriterienkatalog des Institute for Propaganda Analysis (IPA). Zusätzlich werden digitale Faktoren wie Algorithmen und Plattformlogik berücksichtigt. Dabei geht es nicht um eine Unterstellung der Absicht, sondern um die Frage, ob Inhalt durch Machart und Kontextverlust besonders geeignet ist, ein politisches Narrativ zu stützen.


Auf Basis des IPA-Katalogs weist das kursierende Video mehrere typische Propaganda-Muster auf, insbesondere Card Stacking (selektiver Ausschnitt), Plain Folks (Straßeninterview als Stellvertreter-Erzählung) und Bandwagon (Eindruck einer breiten Strömung). Damit ist der Clip in der aktuellen Verbreitung propaganda-geeignet.


Im vorliegenden Fall weist das Video mehrere Merkmale auf, die es besonders anfällig für propagandistische Nutzung machen. Dazu zählt vor allem der fehlende Kontext: Weder das tatsächliche Entstehungsdatum noch der vollständige Interviewrahmen sind in der aktuellen Verbreitung erkennbar. Dadurch entsteht der Eindruck, es handle sich um eine spontane, aktuelle Meinungsäußerung mehrerer junger Grönländer.

Hinzu kommt der stark selektive Schnitt. Während das Originalmaterial auch kritische Stimmen und Einwände enthält, werden im kursierenden Clip ausschließlich Aussagen verwendet, die ein klares proamerikanisches Narrativ bedienen. Diese Auswahl erzeugt ein vereinfachtes Bild, das politische Komplexität ausblendet.


Ein weiterer Faktor ist die visuelle Inszenierung. Die roten MAGA-Kappen wirken als starkes Symbol und verstärken den Eindruck politischer Zugehörigkeit und Geschlossenheit. In Kombination mit Straßeninterviews entsteht so der Eindruck einer breiten, authentischen Unterstützung, obwohl daraus keine Rückschlüsse auf Mehrheitsmeinungen gezogen werden können.

Schließlich erhöht auch das Timing der erneuten Verbreitung die propagandistische Wirkung. Das Video taucht genau in einer Phase auf, in der über die geopolitische Rolle Grönlands verstärkt diskutiert wird. Dadurch eignet es sich besonders gut als scheinbarer Beleg für ein politisches Argument.


Das untersuchte Video ist als propaganda-geeignet einzustufen. Nicht, weil es zwangsläufig vollständig erfunden wäre, sondern weil Schnitt, Kontextverlust, Symbolik und Verbreitungsweise eine verzerrende Deutung begünstigen. In der aktuellen Form trägt das Video dazu bei, ein vereinfachtes politisches Narrativ zu stützen und eignet sich damit für instrumentalisierende Weiterverbreitung.


Dieser Faktencheck auf einen Blick

  • Das Video ist nicht aktuell, es entstand im Jänner 2025

  • Die MAGA Kappen scheinen vor Ort verteilt worden zu sein.

  • Der Interviewer heißt “Nick Shirley” und ist Teil der MAGA Bewegung.

  • Der Inhalt erfüllt die Voraussetzungen, um als Propaganda eingestuft zu werden.


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