Medienmacht ohne Redaktion - Wer bestimmt was wir glauben?
- Patricia Morianz

- 27. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Dez. 2025
Online formt sich eine neue Macht. Während traditionelle Medien an Glaubwürdigkeit verlieren, breitet sich „peripherer Journalismus“ aus. Obwohl er oft mehr Meinung als Recherche bietet, erreicht er im Netz Millionen und beeinflusst uns alle – ob wir wollen oder nicht.

Durchsucht man das Internet zu einem bestimmten Thema, bekommt man kaum ein eindeutiges Ergebnis. So kann es sein, dass zwei verschiedene Medien zu ganz unterschiedlichen Schlüssen kommen. Beide erwecken einen professionellen und journalistischen Eindruck, doch wem ist zu glauben?
Neue Formate mit unterschiedlichen Agenden
Die österreichische Medienlandschaft wächst kontinuierlich. Die neu hinzukommenden „freien Medien“, wie sie offiziell genannt werden, findet man überwiegend online. Viele dieser Formate verstehen sich als Korrektiv zu Mainstream-Medien, erklärt die Wiener Kommunikationswissenschaftlerin Kim Löhmann. Das betrifft insbesondere Politik-, Gender- oder Migrationsdiskurse.
Community-Medien bieten der Gesellschaft die Möglichkeit, Beiträge mitzugestalten. Im Online-Magazin „Migrazine“ können sich Bürger:innen so medial Gehör verschaffen. Gerade Randgruppen profitieren davon. Die Studie „Worlds of Journalism“ hat gezeigt, dass beispielsweise Migrant:innen in den traditionellen Medienhäusern immer noch unterrepräsentiert sind. Daneben gibt es Agenda orientierte Formate wie „Klimareporter“ oder “Katapult“. Sie versuchen, die Lesenden mit ihrer aktivistischen Haltung zum Handeln zu motivieren.
Das große Problem bei vielen freien Medien ist, dass Inhalte nicht immer journalistischen Standards entsprechen. Teilweise fehlt es an Kompetenz, Zeit oder es gibt zu wenig redaktionellen Rückhalt. Fallweise ist eine objektive Berichterstattung aber auch nicht das vorrangige Ziel.
Zwischen Information und Propaganda
Einige Medien verfolgen spezielle ideologische Agenden. Dazu zählen Partei- oder Wirtschaftsmedien wie „Unzensuriert.at“, „Kontrast.at“ oder „FPÖ-TV“.
Sie werden nicht nur von den Parteien mitfinanziert, sie dienen ihnen auch als Sprachrohr. Es besteht die Gefahr, dass Inhalte einseitig präsentiert werden. Ihr Ziel ist oft, parteipolitische Sichtweisen zu fördern, um die eigenen Interessen in der Gesellschaft zu stärken. Artikel werden mit journalistischen Stilmitteln getarnt, ohne dass Quellen überprüft oder angegeben werden. Meist fehlen eine Gegenrecherche und die Trennung von Fakten und Meinung. Als Beweismittel genügen Social-Media-Beiträge, Leserzuschriften oder ungeprüfte Dokumente. Durch diese Praktiken steigern sie aber die Akzeptanz fragwürdiger Quellen und erweitern die Grenzen des Sagbaren in der Gesellschaft.
Zahnlose Gesetze
Wer digitale Inhalte veröffentlicht, unterliegt grundsätzlich dem Mediengesetz und ist verpflichtet Grundnormen, wie beispielsweise die Impressumspflicht oder Ehrenbeleidigungsregeln, einzuhalten. Das verpflichtet Medien dazu, Informationen zur Identifikation der Medienanbieter bereitzustellen und keine spöttischen Begriffe sowie Schimpfwörter zu benutzen.
Die meisten Kontrollinstanzen wie der „Nichtkommerzielle Rundfunkfonds” sowie „KommAustria” sind überwiegend auf Rundfunk ausgerichtet. Daher entziehen sich viele periphere Angebote wie Blogs, Podcasts oder Social-Media-Accounts ihrer Prüfung. Bislang bestehen keine verpflichtenden Prüf- oder Sanktionsmechanismen. Deswegen stützt sich die Überwachung oft auf Eigenverantwortung oder finanzielle Förderkriterien. Das hat fatale Folgen für das allgemeine Medienverständnis.
Was das für dich bedeuten kann
Der Großteil peripherer Beiträge ist ansprechend, weil sie kostenlos verfügbar und leicht zugänglich sind. Doch Inhalte werden verzerrt dargestellt oder von Desinformationen begleitet. Klassische Medien geraten dadurch in den Hintergrund. Die Vielfalt an unterschiedlichen Informationen kann für Verwirrung sorgen. Einige Plattformen versuchen, von dem entstandenen Misstrauen zu profitieren. Sie bezeichnen traditionelle Medien pauschal als „gesteuert“ oder „unglaubwürdig", obwohl diese journalistischen Richtlinien unterliegen.
Peripherer Journalismus als Katalysator für Wandel
Nicht alle freien Medien sind über einen Kamm zu scheren. Einige provozieren jedoch bewusst, um Aufmerksamkeit zu erhalten und interne Interessen durchzubringen. Damit Qualitätsstandards aufrechterhalten bleiben, bedarf es aber klarer, transparenter Förderstrukturen und einer effektiven Regulierung. Neben der Politik ist auch die Gesellschaft gefordert. Medienkompetenz, vermittelt durch Bildungsprojekte, Faktencheck-Plattformen und Schulungen können helfen, die Verbreitung von Desinformation zu vermeiden. Meistens ist schon das logische Hinterfragen von Behauptungen ein erster Ansatz, um unlautere Mechanismen zu erkennen und neue Formate richtig einzuordnen.
Zusammengefasst: Was ist peripherer Journalismus?
Darunter versteht man pseudo-journalistische Inhalte, die außerhalb der Leitmedien entstehen. Sie entsprechen nicht immer den journalistischen Qualitätsstandards und befinden sich in einer Art Grauzone. Es besteht die Gefahr, dass die dahinter stehenden Akteure wie Parteien oder Unternehmen Beiträge dazu nutzen, die eigenen Interessen in der Gesellschaft zu stärken.
Quellen
Studie „World of Journalism“
Online Magazin Migrazine
Nichtkommerzieller Rundfunkfonds
Medienpolitik in Österreich
Untersuchungsprojekt: Grenzen des Journalismus
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