Cringe oder korrekt? Dein Faktencheck für den Weihnachtstisch.
- FactJack Redaktion

- 24. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ – sagt man am Weihnachtstisch besonders gern. Doch zwischen Meinung und Tatsache liegt oft ein großer Unterschied. Dieser Faktencheck prüft gängige Behauptungen, die an Familientischen aktuell regelmäßig auftauchen, und zeigt, wie Zahlen, Narrative und Halbwahrheiten funktionieren und wo sie auseinanderfallen.

Aussage: „Es gibt heute ja eh weiße Weihnachten und es war im Sommer kalt also gibt es den Klimawandel wohl nicht“
Stimmt das?
Die Aussage vermischt Wetter mit Klima: einzelne Jahre mit Schnee oder ein kühler Sommer sagen wenig über den langfristigen Erwärmungstrend.
GeoSphere Austria, der staatliche geologische, geophysikalische und meteorologische Dienst Österreichs, zeigt für Österreich: Weiße Weihnachten in tiefen Lagen sind langfristig deutlich seltener geworden, auch wenn es weiterhin einzelne Jahre mit Schnee geben kann. In höheren Lagen bleibt die Chance größer.
Genau das ist der Punkt: Klimawandel bedeutet nicht „nie mehr Schnee“, sondern verschobene Wahrscheinlichkeiten (mehr „grüne“ Weihnachten, höhere Schneefallgrenze).
Ein „kalter Sommer“ ist ein Einzelfall. Klima wird über Jahrzehnte gemessen, nicht über einzelne Monate oder Feiertage.
Resultat: Unrichtig. Einzelne weiße Weihnachten oder kühle Sommer widerlegen den Klimawandel nicht, langfristig werden weiße Weihnachten in Tieflagen messbar seltener.
Quellen & KI
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
GeoSphere Austria: https://www.geosphere.at/de/aktuelles/news/weisse-oder-gruene-weihnachten-2025
GeoSphere Austria: https://www.geosphere.at/de/dokumente/news/news_presse/geosphere_weiwei-statistik_251211_final.pdf/@@download/file/geosphere_weiwei-statistik_251211_final.pdf
ORF Science: Weiße Weihnachten gibt es immer seltener
Aussage: „In DE gibt es mehr Lehrstühle für Gender & Diversity als Physik“
Stimmt das?
Diese Aussage taucht seit 2023 auf, in diesem Jahr setzen wir bei unserem Faktencheck an.
Der Wissenschaftsrat zählt für Deutschland 173 Professuren mit Voll- oder Teildenomination in Frauen- und/oder Geschlechterforschung (Sommersemester 2023). Das ist die belastbare Referenzzahl für „Gender“.
Wenn man „Teildenomination“ mitzählt, zählt man nicht „173 reine Gender-Lehrstühle“, sondern Professuren, bei denen Gender ein Teilprofil ist. Wer daraus „173 Lehrstühle“ macht, bläst den Eindruck auf.
Physik/Astronomie liegt in einer ganz anderen Größenordnung: Ein Bericht zum Professor:innenmarkt nennt 1.259 Professoren in „Physik/Astronomie“. (Das sind nicht „Lehrstühle“ im engen Sinn, aber die übliche Zählweise für den Größenvergleich.) Tatsächlich gab es zum Zeitpunkt den Etstehend der BEhauptung "nur" 8 Professuren in Kernforschung, da diese ein
Insgesamt gibt es in Deutschland 52.078 hauptberufliche Professuren – 173 ist ein sehr kleiner Anteil am Gesamtsystem.
Resultat: Unrichtig. Physik ist zahlenmäßig deutlich größer als Gender/Geschlechterforschung bei Deutschlands Lehrstühlen/Professuren vertreten.
Quellen & KI:
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland
Wissenschaftsrat: Geschlechterforschung in Deutschland
Wissenschaftsrat: Geschlechterforschung breiter verankern (Pressemitteilung)
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Zu Genderprofessuren in Deutschland
CHE Hochschuldaten (auf Basis Destatis): Hochschulpersonal in Deutschland
Die WELT: Deutschland: „Acht Lehrstühle für Kernforschung, aber 173 Lehrstühle für Genderforschung“
Aussage: „Der Mensch ist ein Fleischfresser, schau dir die Zähne an.“
Stimmt das?
Zähne zeigen vor allem: Menschen können Verschiedenes essen, nicht: Sie müssen Fleisch essen.
Die verbreitete Einordnung ist: Menschen sind Omnivoren (Mischkost), erkennbar an Schneide-, Eck- und Mahlzähnen.
„Omnivor“ heißt aber nicht „Fleisch ist zwingend nötig“, sondern: Der Körper kann unterschiedliche Quellen nutzen.
Ob man Fleisch braucht, hängt an Nährstoffen und Planung, nicht an Eckzähnen.
Resultat: Teilweise richtig. Zähne sind kein Beweis für Fleischpflicht, sondern für Mischkost-Fähigkeit.
Quellen & KI:
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
Oxford University Museum of Natural History (Learning Zone): Nutrition (Humans are omnivores); https://learningzone.oumnh.ox.ac.uk/nutrition
Aussage: „In der Ukraine sind lauter Nazis, deswegen ist der Krieg ‘kompliziert’.“
Stimmt das?
Das ist ein Kernnarrativ russischer Propaganda: Ukraine delegitimieren, um Krieg zu rechtfertigen.
Rechtsextreme Gruppen existieren, aber die Behauptung, sie hätten signifikante Macht oder die Ukraine sei ein „Nazi-Staat“, ist falsch.
Der Begriff „Nazis überall“ dient als Pauschalstempel, der politische Realität verzerrt und Gewalt rhetorisch normalisiert.
„Kompliziert“ ist ein rhetorischer Ausweg: Er vermeidet, eine falsche Hauptbehauptung zu korrigieren.
Resultat: Unrichtig. Das ist ein Desinformationsframe.
Quellen & KI:
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
Aussage: „Krebs wird absichtlich nicht geheilt, weil man dran verdient.“
Stimmt das?
Das ist ein Verschwörungsmythos, der ignoriert, wie Krebsforschung, Zulassung und Wettbewerb funktionieren.
Worldwide Cancer Research erklärt klar: Es gibt keine „geheime Heilung“, Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern viele (über 200 Typen).
Eine echte Heilung wäre ein riesiger wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Durchbruch; sie geheim zu halten wäre extrem unplausibel.
Zudem ist ein großer Teil der Forschung öffentlich/akademisch und weltweit verteilt, nicht in einer Hand kontrollierbar.
Resultat: Unrichtig. Verschwörungsbehauptung ohne belastbare Belege.
Quellen & KI:
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
Worldwide Cancer Research: Could somebody be hiding the cure for cancer?
CCLG: Busting the conspiracy – is there a hidden cure for cancer?
Aussage: „Wein im Essen ist auch für Kinder kein Problem – verdampft ja eh beim Kochen.“
Stimmt das?
Viele glauben, Hitze mache Alkohol automatisch zu 0%. Das stimmt so nicht, es bleibt oft ein relevanter Rest.
Je nach Methode bleiben teils hohe Anteile, z. B. 85% (kurz aufgekocht und abgestellt) oder 45% (25 Minuten gebacken, nicht umgerührt).
Ob und wie viel bleibt, hängt stark von Zeit, Temperatur, Oberfläche, Umrühren und Gericht ab.
Deshalb ist „für Kinder kein Problem“ als Pauschalsatz nicht haltbar.
Resultat: Unrichtig. Alkohol reduziert sich oft, verschwindet aber häufig nicht vollständig.
Quellen
Quellen & KI
In diesem Faktencheck wurde generative KI unterstützend genutzt, die Redaktion hat alle Aussagen geprüft.
Idaho State University: Alcohol Cooks Out… or does it?
Aussage: „Die EU will Bargeld abschaffen, damit’s dich kontrollieren können.“
Stimmt das? Der Satz vermischt Digital-Euro-Debatte mit der Behauptung „Cash wird verboten“. Das ist nicht die offizielle Linie.
Die EZB sagt ausdrücklich: Digitaler Euro würde Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.
Auch die EU-Kommission erklärt in ihren FAQ: Digitaler Euro ist als zusätzliche Zahlungsoption gedacht, Cash bleibt relevant.
Aktuelle EU-Debatten drehen sich um Privacy-Design (online/offline) und Limits, nicht um „Abschaffung von Bargeld“.
Resultat: Unrichtig. Der Kontroll-Vorwurf ist ein politisches Narrativ, nicht der dokumentierte Plan.
Quellen & KI:
EZB (FAQ): Would the digital euro replace cash? No
EU-Kommission (FAQ): Digital euro and legal tender cash
Aussage: „Flüchtlinge bekommen mehr Geld als Arbeitslose.“
Stimmt das?
Das ist eine typische Stammtisch-Statistik: unklare Begriffe, ungleiche Vergleichsgruppen, vermischte Systeme.
Man muss zwischen Asylwerber:innen (Grundversorgung) und Asylberechtigten (teils Sozialhilfe/Mindestsicherung möglich) unterscheiden und zwischen Haushaltsformen.
Ein Teil der Online-Behauptungen ist nachweislich falsch oder arbeitet mit schiefen Vergleichen (z. B. Sachleistungen willkürlich eingerechnet).
Resultat: Irreführend. Ohne Status, Haushalt, Bundesland und Le
istungsart ist der Satz nicht seriös, und er wird oft propagandistisch verzerrt.
Quellen & KI:
APA Faktencheck: Irreführende Angaben zu Finanzhilfen für Geflüchtete (2025)
APA Faktencheck: Angestellte bekommen mehr Geld als Asylberechtigte (2022)
AFP Faktencheck: Arbeit im Supermarkt bringt mehr Geld als ein Asylwerber (Österreich)
Aussage: „Veganes Essen ist nicht gesund, man braucht Fleisch“
Stimmt das? Die Behauptung vermischt „schlecht geplant“ mit „grundsätzlich ungesund“ und tut so, als wäre Fleisch biologisch zwingend.
Die Academy of Nutrition and Dietetics hält gut geplante vegetarische und vegane Muster bei Erwachsenen für nährstoffdeckend und grundsätzlich vereinbar mit Gesundheit.
„Man braucht Fleisch“ ist fachlich falsch: Man braucht Nährstoffe (z. B. Protein, Eisen, B12), nicht zwingend Fleisch als Träger.
Der echte Knackpunkt ist Planung: Kritisch sind v. a. Vitamin B12, teils Eisen, Jod, Omega-3 je nach Ernährung. „Ungesund“ ist also nicht vegan, sondern mangelhaft umgesetzt.
Resultat: Unrichtig. Vegan kann gesund sein, wenn korrekt geplant und supplementiert (v. a. B12).
Quellen & KI:
Academy of Nutrition and Dietetics (News): New position paper on vegetarian and vegan diets (2025)
Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics: Position Paper 2025 – Volltext
PubMed (ältere Position 2016, oft zitiert); https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27886704/
Mini-Guide: So bleibt Diskussion faktenbasiert
Fakten entstehen nicht aus Lautstärke, sondern aus Vergleichbarkeit, Kontext und Quellen.
Wir haben hier nicht zu jeder Aussage einen eigenen Faktencheck (sorry 😢). Deshalb haben wir zusätzlich allgemeine Tipps zusammengestellt, die helfen, Zahlen, Vergleiche und Narrative kritisch zu hinterfragen – auch ohne Spezialwissen.
„Welche Quelle genau?“ – und dann warten.
Viele Aussagen leben davon, dass sie ungeprüft im Raum stehen. Wer nach einer konkreten Quelle fragt und nicht sofort widerspricht, zwingt das Gegenüber zur Begründung – oder zur Einsicht, dass es keine gibt.
„Vergleichen wir hier wirklich Gleiches mit Gleichem?“
Häufige Fehler: Single vs. Familie, Brutto vs. Netto, Geldleistungen vs. Sachleistungen, Einzelfälle vs. Durchschnitt. Ohne gleiche Vergleichsgröße sind Zahlen wertlos.
„Reden wir über Einzelfälle oder über Trends?“
Ein einzelnes Ereignis (kalter Sommer, weiße Weihnachten) ist kein Beweis. Klima, Wirtschaft, Migration oder Bildung lassen sich nur über Zeitreihen und Durchschnitte beurteilen.
„Ist das eine Zahl – oder schon eine Schlussfolgerung?“
Zahlen sind neutral, Interpretationen nicht. Wer aus einer Zahl sofort eine Wertung ableitet („also ist eh klar …“), überspringt den entscheidenden Zwischenschritt.
„Wie breit ist das, was hier verglichen wird?“
Ein kleines Spezialgebiet gegen ein breites Themenfeld auszuspielen ist ein klassischer Trick. Seriöse Vergleiche brauchen ähnliche Kategorien, nicht maximale Kontraste.
„Wer erhebt diese Daten – und warum?“
Amtliche Statistik, wissenschaftliche Einrichtungen oder Medienberichte haben unterschiedliche Ziele. Ein Blick auf den Absender hilft, Motivation und Belastbarkeit einzuordnen(z. B. GeoSphere Austria als staatlicher Wetter- und Klimadienst).
„Fehlt hier ein wichtiger Kontext?“Gesamtzahlen, zeitliche Entwicklung, Definitionen oder Randbedingungen werden oft weggelassen, weil sie das Argument schwächen würden. Genau dort lohnt das Nachfragen.
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